Lernen mit Tagebuch

Regelmäßig lernen ist wichtig. Dabei hilft Begleitung bzw. Feedback von außen. Dafür sind wir als Trainer der CCD School gerne da. Allerdings können wir ja nicht bei jedem Lernschritt neben Ihnen sitzen. Das skaliert nicht, wäre zu teuer und muss auch nicht sein.

Lernen für sich oder in kleiner Gruppe ohne Betreuung hat nämlich auch seinen Vorteil. Sie können dann mehr in Ihrem Tempo fortschreiten. Und Sie lernen durchaus auch tiefer, weil Sie eben mehr auf sich allein gestellt sind. Es geht dann vielleicht langsamer voran, weil Ihre Fragen nicht jederzeit von einem Trainer beantwortet werden können. Doch durch die mühsamere Erarbeitung von Antworten durch Sie selbst sitzt das Gelernte dann fester.

Lernen sollte also aus einer guten Mischung von Begleitung und Autodidaktik stattfinden. Deshalb bieten wir Termine der CCD School auch nur im Abstand von 4–6 Wochen an.[1] Zwischendurch soll selbstständig gelernt werden.

Das hört sich sinnig und einfach an, oder?

Leider hat dieses Vorgehen einen Haken. Wieder und wieder müssen wir feststellen, dass das Selbstlernen den CCD School Teilnehmern schwer fällt. Das hat auch ein kleines Experiment gezeigt, welches Trainer Ralf Westphal Anfang 2015 durchgeführt hat. Er hatte einen “Selbstlern-Challenge” ausgerufen: 10 Teilnehmer sollten sich 10 Wochen lang regelmäßig und selbstständig in Flow Design[2] einarbeiten. Das Ergebnis war ernüchternd. Trotz einer losen Begleitung und “finanziellem Anreiz” haben 50% der Teilnehmer nicht durchgehalten.

Nach dieser Erfahrung wollen wir das Thema selbstständiges Lernen in der CCD School noch bewusster angehen. Als erste Hilfestellung unser Tip:

Dokumentieren Sie Ihren Lernfortschritt in einem Lerntagebuch.

Ein Lerntagebuch soll das Lernen greifbarer machen und fokussieren.

Greifbarer wird es, weil Sie beim Lernen damit eine Spur hinterlassen. Ob das Lernen darin besteht, dass Sie etwas lesen oder mit Kollegen eine Aufgabe diskutieren oder einen Entwurf machen oder etwas codieren… Egal, wie flüchtig Ihre Lernprodukte sind, im Lerntagebuch findet all das Niederschlag.

Ein Lerntagebuch ist für Sie ein – womöglich papierernes – Dokument, das Ihnen oder auch anderen zeigt, dass und wie sie beim Lernen vorankommen.

Fokussierter wird das Lernen, weil Sie im Lerntagebuch ein Destillat des Lernens festhalten. Egal was und wie Sie lernen, mindestens für den Eintrag im Lerntagebuch müssen Sie sich konzentrieren. Für einen Moment gehen Sie in die Reflexion und lassen das Lernen Revue passieren. Ihnen wird das Lernen als eigenständige Tätigkeit nochmal bewusst.

Medium

Das Medium für Ihr Lerntagebuch ist fast egal. Sie können es in Word oder Evernote führen oder in einem physischen Notizbuch. Früher hat Trainer Ralf Westphal zur Dokumentation seiner Gedanken und seines Lernens Notizbücher benutzt:

Notizbücher als Lerntagebuch

Heute machter Einträge in Evernote-Notizen. Für jedes Lernthema gibt es eine, die er pro Lerneinheit fortschreibt. Hier ein Eintrag aus seinem Lerntagebuch zur Programmiersprache Groovy:

Evernote als Lerntagebuch Organisieren Sie sich Ihr Tagebuchmedium, wie Sie möchten. Nehmen Sie einen Ordner oder eine spezielle Tagebuch-App, schreiben Sie auf Papier oder auf dem iPad. Vielleicht hilft es Ihnen, sich an die Wichtigkeit des Lernens zu erinnern und es zu tun, wenn Sie ein Notizbuch am Arbeitsplatz liegen haben. Vielleicht macht es Ihnen so ein Papierbuch auch leichter, gegenüber Kollegen das Lernen zu vertreten. Oder Ihnen fällt es leichter, über das Lernen zu reflektieren, wenn Sie auf einer Tastatur flink Ihre Gedanken in ein Softwarewerkzeug fließen lassen können.

Inhalt

Ein Lerntagebuch soll Ihnen beim Lernen natürlich keine Last sein. Eher im Gegenteil! Es soll Ihnen Spaß machen, darin am Ende kurz zusammenzufassen, was Sie geschafft haben. Es ist doch schön, sich seiner Fortschritte bewusst zu sein.

Was Sie in Ihrem Lerntagebuch festhalten, steht Ihnen also frei. Ein kleiner Rahmen ist trotzdem hilfreich:

  • Versehen Sie jeden Eintrag mit einem Datum und womöglich sogar Uhrzeit bzw. Dauer der Lerneinheit, z.B. 26.6.2015, 10:00 bis 11:30
  • Wenn möglich, finden Sie eine Titel für den Eintrag. Pro Lerneinheit sollten Sie sich auf ein Thema konzentrieren. (Auch hier gilt das SRP ;-) Dieses Thema dokumentieren Sie mit einer Überschrift zum Eintrag, z.B. Flow Design Entwurf in Code übersetzen
  • Schreiben Sie zumindest in Stichpunkten auf, was Sie während der Lerneinheit getan haben, z.B.
    • Funktionseinheit mit einem Input/Output in Funktion übersetzt
    • Mehrere Funktionseinheiten/Funktionen zu einer Klasse zusammengefasst
    • Funktionseinheit mit mehreren Outputs in Funktion mit Continuations übersetzt
  • Notieren Sie Hürden, über die Sie gestolpert sind, oder Fehler, die Sie gemacht haben. Wenn möglich, sollte darauf natürlich auch eine Verbesserung/Lösung folgen, z.B. Der Aufruf von Funktionen mit Continuations ist schlecht zu lesen gewesen. Aber mit ein wenig Disziplin bei der Einrückung ging es besser.
  • Notieren Sie Ergebnisse und Erkenntnisse. Die ergeben sich natürlich oft aus Hürden/Fehlern, können aber auch Zusammenfassungen/Abstraktionen allgemeinerer Art sein, z.B. Streams im Flow Design wenn möglich mit IEnumerable übersetzen statt mit Continuations.

So könnte dann ein Eintrag in einem Notizbuch aussehen:

Handschriftlicher Eintrag

Oder so könnte er aussehen, wenn Sie Evernote bevorzugen:

Digitaler Eintrag

In einem elektronischen Lerntagebuch können Sie leichter konkrete Ergebnisse Ihres Lernens dokumentieren durch Codeausschnitte oder Screenshots oder Anhänge und Links. Nutzen Sie die Chance, um sich das Lernen plastisch zu machen.

Zusammenfassung

Physische und digitale Lerntagebücher haben ihre je eigenen Vor- und Nachteile. Probieren Sie aus, was Ihnen am besten dient.

In jedem Fall sollten Sie jedoch ein Lerntagebuch führen, egal, ob und wann Sie allein lernen, in der Gruppe oder sogar begleitet. Lassen Sie sich durch ein Lerntagebuch ans Lernen erinnern. Erfreuen Sie sich beim Durchblättern des Lerntagebuchs daran, was Sie alles schon geschafft haben.


  1. Das gilt zumindest für Präsenztermine von 1–2 Tagen. Kürzere online Termine machen auch in kürzeren Abständen Sinn.  ↩
  2. Flow Design ist eine der Methoden, die die CCD School unterrichtet. Softwareentwicklung mit Flow Design führt zu Code, der quasi automatisch wesentliche Prinzipien des Clean Code Development einhält. Beim Flow Design wird Verhalten von Software in Form von Datenflüssen entworfen und codiert.  ↩
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